Afra-Fest 2026
Afra ist keine Frau von gestern
Mit Statio, Fußwallfahrt und Festgottesdienst hat die Pfarrei St. Jakobus maj. das traditionelle Afra-Fest gefeiert. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die Frage, was eine Heilige aus dem dritten Jahrhundert den Menschen heute noch zu sagen hat.
Das Afra-Fest begann mit einer Statio in der Stadtpfarrkirche St. Jakob, bei der die traditioneller Weise die überlieferte Vita der heiligen Afra verlesen wird. Nach dem großen Wettersegen machte sich die vom Friedberger Wallfahrerverein organisierte Fußwallfahrt auf den Weg zur Wallfahrtskirche St. Afra im Felde. Dort wurde das Fest mit einer feierlichen Messe fortgesetzt.
Ein besonderes Abschiedsgeschenk
Zu Beginn bedankte sich Pfarrer Pater Steffen Brühl für die vielen guten Wünsche, die ihn anlässlich seines bevorstehenden Abschieds aus Friedberg erreichen. Besonders dankte er für den Pilgerstab, den ihm die Pfarrgemeinde bei seiner Verabschiedung geschenkt hatte.
Er fühle sich so beschenkt, dass es ihm ein Bedürfnis sei, auch der Gemeinde ein Abschiedsgeschenk zu machen. P. Brühl ließ für die Wallfahrtskirche ein neues Bild der heiligen Afra anfertigen, das im Gottesdienst enthüllt wurde.
Das Gemälde zeigt die Bistumspatronin nicht in einer historischen Szenerie, sondern mitten unter Menschen unserer Tage: unter Flüchtlingen und Opfern von Gewalt und Ausbeutung. Unter Menschen, deren Würde mit Füßen getreten und denen das Menschenrecht auf freie Religionsausübung genommen wurde.
„Afra ist keine Frau von gestern“
Das neue Bild war zugleich Ausgangspunkt der Festpredigt. P. Brühl stellte darin die Frage, woran ein großer Heiliger zu erkennen sei. Nicht daran, dass er vor vielen Jahrhunderten gelebt habe, sondern daran, ob seine Botschaft für die Menschen der Gegenwart noch Bedeutung habe.
In diesem Sinne sei „Afra keine Frau von gestern“. Ihre Botschaft sei auch mehr als 1700 Jahre nach ihrem Tod schmerzlich aktuell. „St. Afra legt bis heute den Finger in die Wunden unserer Zeit. Was Afras Leben prägte und sie letztlich das Leben kostete, ist noch immer Lebensrealität von Milliarden Menschen. Für rund zwei Drittel der Weltbevölkerung ist Religionsfreiheit bis heute keine Selbstverständlichkeit. In vielen Ländern, Kulturen und Religionen werden Frauen nicht die gleichen Rechte und Entwicklungsmöglichkeiten zugestanden wie Männern. Zwangsarbeit und Zwangsprostitution sind auch in Deutschland Realität“, führte P. Brühl aus. „Besonders schmerzlich ist, dass ausgerechnet in der Stadt, in der Afra lebte und ihr Grab bis heute verehrt wird, sexuelle Ausbeutung ein offenkundiges Problem ist.“
Für P. Brühl folgt daraus die Verpflichtung, nicht wegzuschauen: „Wir können diese Frau nicht mit schönen Gottesdiensten in unseren Kirchen feiern und gleichzeitig unberührt vom Schicksal der Menschen bleiben, die heute das Gleiche erleiden wie sie.“














