Pater Steffen Brühl wird sich am Sonntag, 26. Juli, im Rahmen des Patroziniums von seiner Gemeinde verabschieden. Um 10 Uhr beginnt der Festgottesdienst mit Kirchenchor und Pfarrorchester in der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Danach geht es weiter mit dem Pfarrfest.

Auf große Abschiedsreden wird am Sonntag bewusst verzichtet. Die offiziellen Dankesworte werden bereits beim sommerlichen Empfang des Pfarrgemeinderates am Vorabend gesprochen.

Seinen letzten Gottesdienst feiert Brühl am Sonntag, 30. August in Friedberg.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Es so weit: Ich verabschiede mich von Friedberg. Zwar steht der eigentliche Umzug erst Ende August an, aber unser Patrozinium ist der richtige Moment, um Danke zu sagen.

In den letzten Wochen bin ich noch einmal ganz bewusst durch Friedberg gegangen. Wege, die ich in fast zwanzig Jahren unzählige Male gelaufen bin. Vieles wird einem mit der Zeit vertraut, fast selbstverständlich. Und gerade jetzt merke ich, wie sehr mir diese Stadt ans Herz gewachsen ist.

Fast zwei Jahrzehnte durfte ich hier leben – 13 Jahre davon als Seelsorger in St. Jakob, die letzten neun Jahre als euer Pfarrer.

Je näher der Abschied rückt, desto öfter kommt die Frage: „Wie geht’s dir eigentlich damit?“ Und ehrlich gesagt: Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Da ist natürlich Wehmut. Nicht aus dem Gefühl heraus, unersetzlich zu sein – gar nicht. Sondern schlicht, weil Friedberg mir Heimat geworden ist. Hinter all den Gottesdiensten, Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Festen stehen Menschen, die ich ein Stück begleiten durfte. Wer so lange an einem Ort lebt, der packt am Ende eben nicht einfach nur Kisten. Da hängen Erinnerungen und Beziehungen dran.


Danke für das gemeinsame Unterwegssein

Gleichzeitig überwiegt die Dankbarkeit. Danke für euer Vertrauen über all die Jahre. Danke an die vielen Ehrenamtlichen, die oft im Hintergrund Großartiges leisten, und an unser starkes Team von Hauptamtlichen. Danke an alle, die mitgedacht, auch mal widersprochen, Verantwortung übernommen und einfach angepackt haben. Vieles von dem, was hier entstanden ist, trägt die Handschrift vieler verschiedener Menschen. Genau davon lebt Kirche.


Kirche gehört mitten ins Leben

Wenn man mich fragen würde, was mich in all der Zeit angetrieben hat, dann ist es die Überzeugung, dass Kirche mitten unter die Leute gehört. Sie kann nicht darauf warten, dass die Menschen zu ihr kommen. Sie muss dorthin gehen, wo das Leben stattfindet – mit all seinen Hoffnungen, Sorgen und Fragen.

Deshalb waren mir nicht nur die Kirchenräume wichtig. Mir lagen genauso die anderen Orte am Herzen: das Divano, die Schulen und Kindergärten, die Vereine, das Krankenhaus, die Hospiz- und Trauerarbeit oder die Feste unserer Stadt. Ich hoffe sehr, dass es uns gemeinsam gelungen ist, Kirche genau dort erfahrbar zu machen.

Leicht waren diese Jahre wahrlich nicht immer. Wir haben gesellschaftlich wie kirchlich tiefe Einschnitte erlebt. Es gab unterschiedliche Meinungen, hitzige Diskussionen und Entscheidungen, die nicht jedem gefallen haben. Aber das gehört zu einer lebendigen Gemeinde. Kirche lebt davon, dass wir gemeinsam darum ringen, was das Evangelium heute von uns fordert.

Auch gesundheitlich haben mich die vergangenen Jahre an Grenzen geführt. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, die eigenen Kräfte realistischer einzuschätzen. Deshalb bin ich dankbar, dass nun zunächst ein Sabbatical vor mir liegt.


Einer sät, ein anderer gießt

Ein Satz des Apostels Paulus geht mir in diesen Tagen nicht aus dem Kopf:

Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen.“ (1 Kor 3,6)

Je länger ich als Priester arbeite, desto mehr Erleichterung schenkt mir dieser Gedanke. Keiner muss alles allein tragen. Keiner von uns ist die Hauptperson. Wir übernehmen eine Aufgabe auf Zeit. Einer sät, ein anderer gießt, wieder ein anderer wird ernten. Das Eigentliche haben wir gar nicht in der Hand – Wachstum ist und bleibt ein Geschenk Gottes.

Wenn ich auf meine Zeit in St. Jakob schaue, sehe ich genau das: sehr viele Samen. Viel Gutes war schon da, als ich kam, und ich durfte es weiter begleiten. Neues haben wir gemeinsam gesät. Manches ist schon aufgegangen, anderes braucht vielleicht noch Zeit. Und manches, was mir selbst besonders wichtig schien, wird vielleicht wieder vergessen – während ganz andere Dinge weiterwirken. Auch das ist Gottes ganz eigene Art zu handeln.


Mit Zuversicht gehen

Zu einem ehrlichen Abschied gehört aber genauso: Längst nicht alles ist mir gelungen. Ich habe Entscheidungen getroffen, die nicht jeder nachvollziehen konnte. Ich war hin und wieder ungeduldig. Ich habe Erwartungen enttäuscht und sicher auch Menschen verletzt – manchmal ganz unbewusst, manchmal im ehrlichen Bemühen, das Richtige zu tun. Wo ich jemandem Unrecht getan oder ihn verletzt habe, bitte ich euch von Herzen um Entschuldigung. Friedberg hat mich gelehrt, aufmerksamer zuzuhören, geduldiger zu werden und nicht zu erwarten, dass jede gute Frucht sofort sichtbar sein muss.

Kopfmäßig weiß ich: Es ist der richtige Moment zu gehen. Die fünf Pfarreien zu einer Pfarreiengemeinschaft zusammenzuführen, ist ein großer Auftrag. Dafür braucht es ein neues Team mit frischer Kraft und neuen Ideen. Mein Herz allerdings braucht noch etwas Zeit, um diesen Abschied zu verarbeiten.

Ich gehe trotz allem mit viel Zuversicht. Der Mittelpunkt dieser Pfarrei ist schließlich nicht der Pfarrer. Im Zentrum steht Christus. Er war vor uns da und er bleibt es auch danach.

Von Herzen danke ich euch für euren Glauben, euer Vertrauen und die große Verbundenheit. Friedberg bleibt für mich immer ein Stück Heimat. Und im Gebet bleiben wir ohnehin miteinander verbunden.

Vergelt’s Gott und Adieu!

Euer P. Steffen Brühl