Vom tiefen Schmerz zur Hoffnung
Was kann uns hebräische Lyrik, die mehr als 2.500 Jahre alt ist, heute noch sagen? Wer die »Klagelieder« gehört hat, kommt schnell zu der Antwort: erstaunlich viel.
Am Passionssonntag konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dem Leseoratorium mit Orgel einen seltenen und sehr eindrücklichen Vortrag erleben. Sie wurden mitgenommen in den unvorstellbaren Schmerz, den die Zerstörung der Stadt Jerusalem durch die Babylonier auslöste. Sie erfuhren aus dem Mund von Tochter Zion von der Verzweiflung der Menschen, von ihrem Hunger, der so groß ist, dass sie begannen, ihre eigenen Kinder zu essen. Von dem Schmerz der Trennung von denen, die deportiert wurde. Ihnen wurde die Zukunft geraubt und die Gegenwart ist lebensfeindlich.
Ganz klein keimt in der Verzweiflung, im Schmerz die Hoffnung auf Gott. Zu Beginn schaffen es die Menschen noch nicht, sich im Gebet an ihn zu wenden. Ihre Enttäuschung ist zu groß. Sie fühlen sich von Gott verraten und verkauft. Allmählich wächst in ihnen eine Zumutung, Zu-MUT-ung. Gott hat sie nicht verlassen, er ist da, bei ihnen. In der Verzweiflung, in der Angst, in der Einsamkeit, in der Hoffnungslosigkeit ist Gott.
Das Leseoratorium wurde live übertragen und kann immer noch angeschaut werden.
Sie finden den Gottesdienst hier.
Einen ausführlichen Bericht finden Sie hier.
