Fronleichnam — Straßenfest der Nähe Gottes

„Fronleichnam ist ein Straßenfest der Nähe Gottes.“ Mit diesem Gedanken eröffnete Pfarrer P. Steffen Brühl das diesjährige Fronleichnamsfest der Pfarrei St. Jakobus major in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh.

Mehrere hundert Gläubige versammelten sich am Morgen bei schönem Wetter in der Wallfahrtskirche zur feierlichen Messe. Unter den Mitfeiernden begrüßte P. Brühl besonders den Zweiten Bürgermeister Richard Scharold, die Dritte Bürgermeisterin Ulrike Sasse-Feile sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Monika Trinkl-Peters gestaltet, während die Fahnenabordnungen zahlreicher Vereine der Feier einen besonders festlichen Rahmen verliehen.

Christus mitten unter den Menschen

Im Mittelpunkt der Predigt von P. Brühl stand ein Bild, das die Ludwigstraße vor der Stadtpfarrkirche zeigte. Eine Alltagsszene: Menschen jeden Alters sind unterwegs, gehen dicht nebeneinander und doch aneinander vorbei. Keiner schaut den anderen an, jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Das sei eine Erfahrung, die P. immer wieder wahrnehme. Viele fühlten sich heute trotz aller Möglichkeiten der Vernetzung übersehen oder allein.

Dem stellte P. Brühl die Botschaft des Fronleichnamsfestes entgegen. Christus bleibe nicht auf Distanz, sondern kommt den Menschen im eucharistischen Brot ganz nahe, ja wird eins mit ihnen. Obwohl das Bild wie eine Szene aus dem Alltag wirkt, musste es mithilfe von KI generiert werden. Auch wegen dieser einen Person, die in der Mitte des Bildes steht: Jesus. Er stellt sich mitten unter die Menschen. Leicht zu erkennen im Nazarener-Look. Stehts dort und verteilt Brot – und damit sich selbst. Daraus erwachse der Auftrag an die Christinnen und Christen, Es ihm nachzutun und sich ebenfall zu verschenken, also füreinander da zu sein, Gemeinschaft zu leben und die Menschen am Rand und die Schwächeren nicht aus dem Blick zu verlieren.

Blick auf die neue Pfarreiengemeinschaft

Mit Blick auf die bevorstehende Errichtung der neuen Pfarreiengemeinschaft Friedberg betonte der Pfarrer, dass die Zukunft der Kirche nicht zuerst von Strukturen oder Verwaltungsfragen abhänge. Entscheidend sei vielmehr, ob es gelinge, Menschen zusammenzuführen und Orte zu schaffen, an denen sich niemand übersehen fühlen müsse.

Prozession durch die Innenstadt

Nach der Festmesse zog die traditionelle Fronleichnamsprozession mit dem Allerheiligsten durch die Friedberger Innenstadt zur Stadtpfarrkirche St. Jakob. Dazu wurde für diesen Tag wieder die historische Nigl-Monstranz von 1730 aus dem Museum im Wittelsbacher Schloss geholt. Für die musikalische Begleitung der Prozession sorgte die Stadtkapelle Friedberg unter der Leitung von Simon Mies. Der Weg führte zu den Altären am Krankenhaus und am Pilgerbrunnen.

Am zweiten Altar stand die Begegnung Jesu mit dem blinden Bartimäus im Mittelpunkt. Der Ruf „Hab Mut, steh auf!“ wurde auf die aktuelle Situation der Gemeinden übertragen, die sich auf den Weg in die neue Pfarreiengemeinschaft machen. Die Gläubigen wurden ermutigt, Veränderungen mit Zuversicht zu begegnen, Vertrautes unter Umständen loszulassen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten, nicht Zuschauer entfernter Kommentator des Prozesses zu sein, sondern sich einzubringen mit dem Willen, dass die neue Einheit gelingt.

Dank und Begegnung

Mit dem feierlichen eucharistischen Schlusssegen und dem Großen Te Deum in der Stadtpfarrkirche fand die liturgische Feier ihren Abschluss. P. Brühl dankte allen, die zum Gelingen des Fronleichnamsfestes beigetragen hatten. Sein Dank galt unter anderem den Musikerinnen und Musikern, den Mesnern, Ministranten, Lektorinnen und Lektoren, Vorbetern sowie den zahlreichen Fahnenabordnungen. Ebenso würdigte er die vielen Helferinnen und Helfer im Hintergrund, darunter die Zugführung, die Freiwillige Feuerwehr, das Bayerische Rote Kreuz, die Altaraufbauer, die Himmelträger, die Lautsprecherträger, eine Leihgabe des Friedberger Wallfahrervereins, sowie alle, die organisatorische und technische Aufgaben übernommen hatten.

Die meisten Anwesenden folgten anschließend seiner Einladung zum gemeinsamen Weißwurstfrühstück. „Gemeinde heißt zusammenbleiben und nicht sofort wieder auseinandergehen“, sagte der Pfarrer. Organisiert und durchgeführt wurde das Beisammensein vom Arbeitskreis „Feste und Feiern“.

So wurde Fronleichnam in Friedberg nicht nur als Fest der Eucharistie gefeiert, sondern auch als sichtbares Zeichen dafür, dass christlicher Glaube Menschen verbindet und Gemeinschaft entstehen lässt – mitten in der Stadt und mitten im Leben.