6. bis 11. April 2026
Tagebuch unserer Gemeindefahrt nach Assisi
Vom 6. bis 11. April hat sich unsere Gemeinde auf die Spuren der Heiligen Franziskus und Klara nach Assisi und Umgebung begeben. Zum ersten Mal fand die Gemeindefahrt mit gleichzeitiger Jugendfahrt statt. 11 junge und 38 jung gebliebene Teilnehmer:innen im Alter von 15 bis 85 Jahren waren gemeinsam auf dem Weg.
Es gab Programmpunkte, die fanden gemeinsam statt – und solche, die in den beiden Altersgruppen getrennt gemacht wurden. Die Eucharistiefeiern – das Sakrament der Einheit – feierten wir alle gemeinsam.
Auf dieser Seite hier können Sie nachlesen, was die Teilnehmenden in und um Assisi erlebt und erfahren haben.

Hier finden Sie drei Reisetagebücher: • das Reisetagebuch, • das Reisetagebuch Jugend-Edition und • das Reise-Bilder-Tagebuch. Die ersten beiden Tagebücher finden Sie nach den jeweiligen Tagen geordnet, während das Bilder-Tagebuch als Bildergalerie in Dauerschleife läuft (Bild zum Vergrößern anklicken).
Reisetagebuch
Ankommen in Assisi
Früh am Morgen sind wir in Friedberg aufgebrochen. Erstmals ist es eine kombinierte Gemeindefahrt: 11 Jugendlich, 38 Erwachsene. Reiseleitung sind Kristina Roth und P. Steffen Brühl. Von 15 bis 85 Jahren reicht unsere Altersspanne.

Vor uns lag eine lange Fahrt über den Brenner, durch Südtirol und weiter Richtung Süden. Die Strecke führte vorbei an Bologna und Florenz – und hinein in die ruhiger werdende Landschaft Umbriens.
Am frühen Abend, gegen 18 Uhr, erreichten wir schließlich Assisi. Die ersten Schritte durch die Altstadt: enge Gassen, helles Steinpflaster, eine spürbare Dichte von Geschichte. Und immer wieder der Blick zur Basilika San Francesco.
Für die kommenden Tage sind wir im Hotel San Giacomo untergebracht – einfach, zentral, mitten im historischen Kern der Stadt.
Um 19:30 Uhr versammelten wir uns zum gemeinsamen Abendessen im Hotel. Nach der langen Reise tat es gut, anzukommen, miteinander zu essen und den Tag ruhig ausklingen zu lassen.
Und doch zog es einige noch einmal hinaus: ein erster Gang durch die abendliche Altstadt. Gedämpftes Licht, ruhiger werdende Straßen, eine besondere Atmosphäre. Assisi zeigte sich gleich zu Beginn von seiner stillen Seite.
Ein langer Weg liegt hinter uns.
Und die Reise hat gerade erst begonnen.

Reisetagebuch - Jugend-Edition
Liebes Reisetagebuch,
heute geht es endlich los. Um 5 Uhr trifft sich die Gruppe am Bus und die Fahrt beginnt. Das Reiseprospekt beschreibt die Fahrt wie folgt: „Frühe Fahrt mit einem modernen Reisebus von Friedberg über den Brenner nach Norditalien. Weiterreise durch Südtirol, vorbei an Bologna und Florenz und weiter nach Umbrien. Vorbei am Trasimenischen See und Perugia gelangen wir nach Assisi.“ Auch Jakob zeigt sich begeistert: „Ne, ich habe jetzt keine Lust auf ein Interview. Ich mag weiterschlafen.“

Nach dreizehn Stunden sind wir dann da, am Parkplatz, 1500 Höhenmeter später auch in unserer idyllischen Unterkunft. Von unserer Dachterrasse erfreuen wir uns mit Blick aufs Umland am Sonnenuntergang. Nach kurzem Abendessen gehen wir dann noch die Stadt unsicher machen. Die schönen engen italienischen Gässchen, die Basilica Superiore di San Francesco d’Assisi und die jungbleibenden Reisenden bei ihrem Abendessen besichtigen wir. Wir laufen in den Spuren des Franz von Assisi, der schon vor über 800 Jahren genau diese Straßen entlangging. Trotz mehrerer Versuche der Einheimischen wird niemand aus unserer Gruppe angefahren und wir gehen voll Vorfreude auf die kommenden Tage in unsere Betten.
Reisetagebuch
Assisi: Stadt des heiligen Franziskus
Der Tag beginnt mit einer gemeinsamen Morgenrunde draußen auf der Wiese. Frische Luft, ein weiter Blick, ein erster Moment der Sammlung.
Danach geht es mitten hinein in die Geschichte des heiligen Franziskus.
Wir machen uns auf den Weg zu den Orten seiner Kindheit und Jugend – dorthin, wo sein Leben seinen Anfang nahm.

Erste Station ist die Santa Maria Maggiore mit dem angrenzenden Bischofspalast. Hier kam es zum öffentlichen Bruch mit seinem Vater – ein radikaler Schritt, der bis heute nachwirkt.
In derselben Kirche begegnet uns eine Gestalt unserer Zeit: Carlo Acutis. Sein Grab ist zu einem Ort geworden, an dem viele Menschen innehalten. Ein junger Mensch, der den Glauben mit der digitalen Welt verbunden hat – und deshalb oft als „Apostel des Internets“ bezeichnet wird.
Danach führt uns der Weg zur Basilika Santa Chiara mit dem Grab der heiligen Klara und dem Kreuz von San Damiano.
Die kleine Kapelle San Francesco Piccolino, die als möglicher Geburtsort gilt, liegt anschließend auf unserem Weg. In der Chiesa Nuova stehen wir an dem Ort, an dem einst der Tuchladen seines Vaters war – der Ort, an dem Franziskus in das bürgerliche Leben eingebunden war, bevor er einen anderen Weg einschlug.

Den Abschluss des Vormittags bildet der Dom San Rufino. Hier wurde Franziskus getauft.
Nach einer Mittagspause und Zeit zur freien Verfügung setzen wir unseren Weg fort.
Am Nachmittag führt uns unser Weg zur Basilika San Francesco – dem geistlichen Zentrum der Stadt.
Ein Ordensgeistlicher führt uns durch die Unter- und Oberkirche mit dem berühmten Freskenzyklus aus dem Leben des Franziskus, der Giotto di Bondone zugeschrieben wird.
Anschließend bleibt Zeit für den persönlichen Besuch der Krypta. Dort befindet sich das Grab des Heiligen – schlicht und eindrücklich.
Den Abschluss bildet ein gemeinsamer Gottesdienst im Papstpalast von Assisi.
Ein Weg durch die Stadt.
Und ein Weg hinein in das Leben eines Menschen, der bis heute herausfordert.
Reisetagebuch — Jugend-Edition
Liebes Reisetagebuch,
heute wird es sportlich: Nach einem kurzen Sprint zu unseren lebenserfahreneren Reisebegleitern beginnen wir den Tag mit einem Morgenimpuls. Da lernen wir uns mal so richtig kennen! Danach zeigt uns die Reiseführerin die bekanntesten und unbekanntesten Ecken von Assisi und wir erfahren einiges über Franzs Geburts- und Wirkungsstätte. Auf der Tour können wir auch den Ort, an dem Franz von Assisi von seinen Eltern angekettet wurde, sehen. Die Pubertät war auch damals schon für alle Beteiligten eine Herausforderung. Zwischengesänge kündigen unsere Mittagspause bei Wasser, Brot und Käse an. Der Teil der Reisegruppe, der schon mehr erlebt hat, geht solange Essen und macht wahlweise den gewohnten Mittagsschlaf oder eine Stadtbesichtigung. Jede Minute muss genutzt sein.
Um 16 Uhr treffen wir Frater Thomas, der uns die Wunder von San Francesco näher bringt. Wir bestaunen mit großen Augen Wandmalereien oder wie es die Profis nennen „Fräsgän“, welche noch mehr Lebenserfahrung haben als unsere Reisebegleiter. Im Gegensatz zu diesen legen sie jedoch starke Alterungserscheinungen an den Tag. Beeindruckt sind wir von den Geschichten hinter den Pinselstrichen. Zum Ausgleich zu dem vielen intellektuellen Input spielen wir im Windschatten der Grabeskirche Karten. Annika verliert das Kartenspiel „Lügen“: „Die Jungs lügen mich immer an. Ihr seid alle so blöd.“ Der von Steffen und Kristina schön gestaltete Gottesdienst in einer der exklusiven Kapellen des Papstpalastes trägt zur Beruhigung der Truppe bei. Auch Annika ist wieder froh, ein Teil der Gruppe zu sein: „Ich sag nix mehr. Ihr schreibt das nur auf die Webseite.“

Danach gibt’s Pfannkuchen bei hitzigen Diskussionen über das Erlebte, es hat berührt. Für die Erwachsenen gibt’s Pasta satt. Und jetzt schreiben wir das Reisetagebuch mit all den wunderbaren Erinnerungen an den Tag in unseren Herzen.
Reisetagebuch
San Damiano – Trasimenischer See
Der Tag beginnt mit der Morgenrunde im Freien. Thema: Begeisterung. Was ist Gottes Geist? Was bewirkt er in mir? Keine abstrakte Frage, sondern eine, die ins eigene Leben drängt.

Danach gehen wir direkt nach San Damiano. Ein Ort, der eigentlich still ist – an diesem Vormittag jedoch von mehreren Schulklassen aus Italien, der Schweiz und Belgien belebt wird. Hier hat Franziskus die verfallene Kirche wieder aufgebaut. Hier hat Klara gelebt, gebetet und ist schließlich gestorben. Wer die Kapelle betritt, spürt sofort: Es wird ruhig. Der Ort spricht leise, aber eindringlich.
Dann trennen sich unsere Wege: Die Jugendgruppe geht in den Olivenhain, die Erwachsenen zum Bus. Unser Ziel ist der Trasimenische See.
Nach der Mittagspause in Passignano sul Trasimeno wartet bereits das Schiff. Wir setzen über zur Isola Maggiore. Auf dieser Insel hat Franziskus eine Zeit des Fastens und Betens verbracht. Wir besuchen das Museo del Merletto, das die Tradition der feinen irischen Spitzenstickerei bewahrt – ein überraschendes kulturelles Erbe an diesem abgelegenen Ort.
Ein steiler Weg führt uns durch alte Olivenhänge hinauf zur Chiesa di San Michele Arcangelo. Die schlichten Fresken im Inneren stammen aus verschiedenen Jahrhunderten. Sie erzählen vom Glauben einfacher Menschen – direkt, ungeschönt, nah. Die außergewöhnliche Akustik lädt uns ein zu singen. Unsere Stimmen füllen den Raum.

Es bleibt noch Zeit, die Insel zu genießen – wie aus der Zeit gefallen, in hellem Sonnenschein. Als sich das Schiff ankündigt, das uns zurückbringen wird, fällt der Abschied schwer.
Um 17:15 Uhr erreichen wir wieder den Bus. Eine kurze Kaffeepause, dann Rückfahrt nach Assisi.
Am Abend, nach dem Essen, kommen wir noch einmal zusammen. Die Frage ist einfach – und doch nicht leicht:
Was nehme ich mit von diesem Tag?
Reisetagebuch — Jugend-Edition
Geh-dicht
Heute sind wir unterwegs auf Wanderschaft.
Dafür brauchen wir viel Willenskraft.
Erst machen wir uns auf den Weg nach San Damiano.
Zusammen mit den anderen ganz Piano.
Durch die Stadt, den Berg hinunter,
auch die Führerin war munter.
Da haben wir eine Kirche angeschaut,
aber nichts geklaut.
Danach sind wir in den Olivenhain,
ganz tief in das Leben der heiligen Chiara hinein.
Danach sind wir den Berg wieder hochgelaufen,
da mussten wir ganz feste schnaufen.
Zur Belohnung gibt es Nudeln mit Käsesoße,
die Freude ist groß(é).
Jetzt machen wir Siesta,
und spielten Gitarre im Ein-Frau-Orchester.

Jetzt sind wir shoppen,
die Gruppe fängt nicht ganz an sich zu kloppen.
Danach gibts Eis,
denn es ist sehr heiß.
Jetzt geht es zu den Franziskanerinnen von Sießen,
da ließen wir den Worship fließen.
Fragen beantworten sie uns auch sehr gerne,
danach gehen wir in das Restaurante La Lanterne.
Die Pizza schmeckt uns allen sehr gut,
das gibt uns neuen Mut,
joggen zu gehen
und die Welt mit neuen Augen zu sehen.
Gitarre spielen wir auf dem Dach,
dabei wird viel gelacht.
Jetzt wollen wir ins Bett gehen
und uns morgen wiedersehen.
~ Die Jugend

Reisetagebuch
Einsiedeleien im Rieti-Tal

Der Tag beginnt mit der Morgenrunde auf der Wiese. Ein ruhiger Einstieg, bevor wir uns auf den Weg in das Rieti-Tal machen – eine Landschaft, die eng mit dem Leben des heiligen Franz von Assisi verbunden ist.
Erste Station ist die Einsiedelei von Greccio. Hier feierte Franziskus im Jahr 1223 Weihnachten auf eine neue, bis heute prägende Weise: mit einer lebendigen Krippe. Nicht als frommes Bild, sondern als erfahrbare Wirklichkeit. Gott wird Mensch – greifbar, sichtbar, nah.
Wir besichtigen die Krippenkapelle, die alte Einsiedelei und die kleine Zelle des Franziskus. Auch das Krippenmuseum führt vor Augen, wie stark diese Idee bis heute nachwirkt.
Das gemeinsame Mittagessen nehmen wir in Greccio ein – in einem typischen lokalen Restaurant. Es gibt pasta abbondante, reichlich und kräftig, gefolgt von einer umbrischen Schlachtplatte.
Am
Nachmittag fahren wir weiter zur Einsiedelei von Fonte Colombo. Dieser Ort gilt als einer der wichtigsten im franziskanischen Leben: Hier hat Franziskus die Ordensregel niedergeschrieben – ein Text, der bis heute den Kern seines geistlichen Weges beschreibt.
Gleichzeitig ist Fonte Colombo auch ein Ort der körperlichen Grenze. Franziskus litt hier unter einer schweren Augenkrankheit. Die Schmerzen waren stark, das Licht wurde zur Qual. Eine Behandlung – aus heutiger Sicht archaisch – sollte helfen: Die Augen wurden mit einem glühenden Eisen behandelt. Franziskus ertrug dies ohne Betäubung. Er nannte das Feuer dabei „Bruder Feuer“ und sprach mit ihm, als würde er ihm vertrauen.
Diese Szene zeigt eine Seite seines Glaubens, die herausfordert: kein Ausweichen vor dem Leid, sondern ein Durchgehen hindurch – im Vertrauen, dass auch dort Gott gegenwärtig ist.
Wir besichtigen die verschiedenen Grotten und Kapellen sowie die kleine Basilika. Orte des Rückzugs, der Sammlung, der Entscheidung.
Am späten Nachmittag Rückfahrt nach Assisi.
Der Abend steht zur freien Verfügung. 
Reisetagebuch — Jugend-Edition
Liebes Reisetagebuch,
heute geht es auf große Fahrt. Nach einem Frühstück mit Wasser und Haferschleim machen wir junge Matrosen uns auf den Weg zum Bus-Kai, um unser uns bereits bekanntes Reiseschiff zu boarden. Während wir auf unsere erfahreneren Seemänner und -frauen warten, vertreiben wir uns die Zeit und Langeweile mit altbewährten Seemannsliedern aus unserem Matrosenbuch. Als dann alle im Bug verstaut sind, legen wir auch endlich ab. Dennoch lassen wir die Musik nicht im Bushafen, sondern singen nun in doppelter Lautstärke unsere Shantys mit.
Auf unserer Odyssee nach Greccio hält unser Kapitän plötzlich an. Ein Eisberg?! Wir wundern uns, als ein schiffsbrüchiger Schäfer zusteigt. Wie sich herausstellt, ist der Vielgereiste unser heutiger Steuermann. Wir lernen viel über Eisbär, Affe, umbrische Ebene & Co von ihm. Die nächste Bucht auf unserer Reise liegt bei Santuario Francescano del presepe di Greccio – ein Ort, an dem der heilige Franziskus von Assisi die erste Weihnachtskrippe zum Leben erweckte. Dort wird im Gottesdienst auch gern in der Osterwoche „Stille Nacht“ gesungen, wie wir pikiert feststellen. Nach einem selbstständigen Landgang steigt die Laune sowie der Hunger der Crew. Zum Mittagessen legten wir in Greccio an. Dort sinkt der Hunger wie der Meeresspiegel zur Ebbe bereits bei der Vorspeise rapide, denn es gibt Pasta satt (mit frisch gefangenem Funghi)! Der Hauptgang wird mit der Aussage „Jetzt spüre ich ein leichtes Hungergefühl“ (~ anonym) dankbar entgegengenommen und sorgt auch bei den letzten gefräßigen Haien für volle Bäuche. Aber Platz für Nachtisch gibt es immer, weshalb wir uns auch das deliziöse Tiramisu schleunigst hinter die Kiemen kippen.
Eine
kurze Verdauungs-Dampferfahrt später müssen wir schon wieder unseren Kahn verlassen, was uns auch leicht fällt, da uns ein Rudel raublustiger Seekatzen am Santuario francescano di Fontecolombo plündern möchte. Nach einem Interessenaustausch lassen sie uns passieren und wir können unseren Landausflug fortführen. Nachdem wir uns von unserem Steuermann gelöst haben und eigenmächtig das Terrain erkunden, erforschen wir zahlreiche Höhlen der franziskanischen Brüder. Zurück am Schiff machen wir die Leinen los, während die erfahreneren Matrosen für das Fässer Löschen verantwortlich sind. Als alle urplötzlich feststellen, dass unser Kapitän eine erfolgreiche Salzwasser-Algen-Seetang-Verjüngungskur abgeschlossen hat. Bangend treten wir die Heimreise zurück nach Assisi an.
Um
die Verlust-Quote von 10 % auch bei diesem Abenteuer erfolgreich einzuhalten, müssen wir unglücklicherweise unseren Steuermann und Schäfer des Vertrauens am Bermuda-Kreisel von der Planke stoßen. „10 % Schwund ist normal“, bestätigt der erste Offizier Jakob. Nun ohne Steuermann unterwegs, gesellen sich noch weitere Crew-Mitglieder zu den Fischen, bevor wir schließlich im Heimathafen von Assisi anlegen. Mit festem Boden unter den Füßen füllen wir unsere Vorräte für das Ende unserer Gemeinde-Expedition am Samstag auf. Trotz trommelnden Sirenengesangs und wohlgesonnenen Wikingerinnen schaffen es an diesem Abend alle Matrosen wohlbehalten in ihre Kojen.
Reisetagebuch
La Verna und Portiuncula
Der
Tag beginnt mit der Fahrt auf den Berg La Verna in der Toskana. Ein abgelegener Ort, rau und still, geprägt von Felsen und dichten Wäldern. Hier zog sich Franz von Assisi im Jahr 1224 zurück – und hier geschieht etwas, das bis heute verstört und fasziniert: Er empfängt die Wundmale Christi.
Die Stigmatisation ist kein äußeres Zeichen religiöser Überhöhung, sondern Ausdruck einer radikalen inneren Verbindung. Franziskus will Christus nicht nur nachfolgen, sondern ihm ähnlich werden – bis in den Schmerz hinein. Der Glaube bleibt hier nicht abstrakt. Er geht unter die Haut.
Heute umschließt ein Kloster den Ort dieses Geschehens. Wir besichtigen die Stigmatisationskapelle, die Kirche Santa Maria degli Angeli sowie verschiedene Grotten und Gebetsorte. Orte, die bis heute von einer dichten, fast greifbaren Stille geprägt sind.

Zur Mittagszeit besteht Gelegenheit zu einem gemeinsamen Essen im nahegelegenen Chiusi della Verna.
Am Nachmittag fahren wir zurück nach Assisi, in den Ortsteil Santa Maria degli Angeli. Dort besuchen wir die große Basilika Santa Maria degli Angeli.
Im
Inneren dieser weiten Kirche steht ein unscheinbarer Bau: die Portiunculakapelle. Für Franziskus war sie das Herz seines Weges. Hier hörte er das Evangelium so, dass es sein Leben veränderte. Hier begann seine Gemeinschaft. Und hier starb er am 3. Oktober 1226.
Die Portiuncula ist ein Gegenbild zur Größe der Basilika: klein, einfach, verletzlich. Und gerade darin liegt ihre Kraft. Glaube beginnt nicht im Monumentalen. Er beginnt im Kleinen – dort, wo ein Mensch bereit ist, sich treffen zu lassen.
Am Abend Rückfahrt in die Altstadt von Assisi. Dort feiern wir im päpstlichen Palast bei der Basilika S. Francesco alle gemeinsam den Abschlussgottesdienst – als Rückblick auf die vergangenen Tage und als Ausblick auf das, was bleibt.
Reisetagebuch — Jugend-Edition
Das Wandern ist des Pilgers Lust
Heute gehen wir in den Endspurt unserer Pilgerschaft – im wahrsten Sinne des Wortes. Da wir diesmal ohne die Erfahrung unserer Reisegefährten zurechtkommen müssen, machen wir uns mit zittrigen Knien auf den stets steilen und steinigen Weg zum Carceri-Kloster, in dem Franziskus sich für seinen Lebenswandel zurückzog. Nachdem wir zahlreiche andere deutschsprachige Reisende, die unsere Gruppe unerklärlicherweise mit ihrem Frauenbund verwechseln, überholt haben, legen wir ein kurzes Wanderpäuschen ein, bevor der Weg endlich abflacht.

Doch spannend bleibt es trotzdem. Wir durchqueren mit Spinnen gefüllte Tunnel und passieren gefährlich giftige Raupen, um uns dem Kloster zu nähern. Im Kloster angekommen, bestätigt sich das Vorurteil, dass Italiener, besonders Franziskaner, sehr klein sind. Wir müssen uns durch sparsame Türen quetschen. Zwei Beulen später treten wir in die ebenfalls kleinen Fußstapfen der Mönche und erkunden die umliegenden Höhlen. Wir wundern uns über die Qualität und Sicherheit italienischer Wanderwege, schimpfen über die wackeligen und die ungenormten Treppen, um am Ausgang der Wanderung zu bemerken, dass der Wanderweg eigentlich gesperrt war. Gestärkt durch unseren Pilgergesang entkommen wir nichtsdestotrotz den stacheligen Büschen. Ein Impuls und Rückblick runden unseren Besuch ab. Um jeweils ein Tau-Kreuz bereichert, treten wir Rosenkranz betend den Rückweg an. Auf dem Weg ist das Knipsen von Johannes’ Kamera unser treuer Begleiter: „Ihr seid alle so unfotogen, aber ich habe das Beste aus euch rausgeholt“, erklärt uns der Fotograf.

In der Unterkunft angekommen, steht erstmal eine Siesta mit Wasser, Käse und Brot an. Nach verschiedenster Nachmittagsgestaltung finden wir uns alle in der Basilika San Francesco wieder. Wir lassen das beeindruckende Gebäude nochmal auf uns wirken. Am Fuße des Kirchenkolosses treffen wir wieder auf unsere erfahrenen Reisebegleiter. Nach der Wiedersehensfreude begeben wir uns für den Abschlussgottesdienst in eine Kapelle im Papstpalast mit sehr modern gestalteten „Fräsgän“, die für Diskussionsstoff sorgen. Die Segnung unserer Taus (offizieller Plural von Tau, Quelle: Steffen) gab uns erneut Kraft, um ein letztes Mal den Berg zu unserer Unterkunft zu erklimmen. Ein kurzer Abstecher zum Pizzaessen ist essentieller Teil dieses Weges.
Zu später Stunde begeben sich dann unsere übermotivierten Sportler und Lily auf eine Joggingrunde. Ein Fanclub aus erfahrenen Reisenden bejubelt die Sportler bei ihren läuferischen Höchstleistungen und Lily. Den Rest des Abends verbringen wir mit Kartenspielen und Billard. Vereint geben wir beim Zähneputzen im Gang Bibi-&-Tina-Songs zum Besten, während manche von uns ihre Zimmer ordnen müssen.
Reisetagebuch
Der letzte Morgen in Assisi war wieder ein sonniger. Aber es blieb nicht viel Zeit zum Genießen, denn um 8 Uhr war Abmarsch zum Busparkplatz. Das Gepäck wurde vom Hotel zum Bus gebracht.
Noch ein wenig dehnen und strecken, dann hieß es auch schon: Abfahrt.
Um 8:45 Uhr waren wir auf der Straße. Das Morgenlob mit einer ganz persönlichen Rückschau, was jeder für sich von dieser Pilgerfahrt mitnimmt und in seinen „Koffer packt“.
Weil der Brenner hinsichtlich der Verkehrslage so unberechenbar ist, wollte André, unser Busfahrer, möglichst viel „Asphalt schrubben“.
So waren die Harmoniepausen kurz angelegt: Barberino di Mugello, Bagnolo San Vito, ein kurzer Blick nach rechts zu unserer Partnerkommune Völs am Schlern – dann waren wir auch schon am Brenner. Dort kehrten wir bei der Familie Lanz ein. Ob sie etwas mit dem Südtiroler Moderator gleichen Namens zu tun hat, soll einmal dahingestellt sein. Auf jeden Fall gibt es dort eine architektonisch sehenswerte Wartehalle für die Damentoilette. Sie trägt den etwas irreführenden Titel „Plessi-Museum“.
Da wir bis zum Brenner keinen Stau hatten und auch um München bestens durchkamen, fuhr unser Bus um 20:45 Uhr, genau 12 Stunden nach der Abfahrt in Assisi, vor Herrgottsruh vor.
Großen Dank an André vom Busunternehmen Efinger! Einen ganz herzlichen Dank an die Fahrtteilnehmer: Es war eine wunderbare Zeit. Das Miteinander klappte hervorragend, die Altersspanne von 15 bis 85 Jahren war eine Bereicherung. Niemandem ist etwas Ernsthaftes zugestoßen. So können wir unseren Dank in ein Gebet fassen:
Buon Dio,
ti rendiamo grazie per questi giorni trascorsi insieme ad Assisi.
In Umbria e in Toscana abbiamo seguito le orme di san Francesco e di santa Chiara; ci siamo lasciati ispirare per la nostra vita quotidiana a casa e nella nostra parrocchia di San Giacomo.
Ti chiediamo la tua benedizione per mezzo di Cristo, nostro fratello e Signore.
Amen.
Guter Gott,
wir danken dir für die gemeinsamen Tage in Assisi.
In Umbrien und der Toskana sind wir den Spuren des heiligen Franziskus und der heiligen Klara gefolgt; sie haben uns für unser tägliches Leben zu Hause und in unserer Pfarrei St. Jakob inspiriert.
Wir bitten um deinen Segen durch Christus, unseren Bruder und Herrn.
Amen.
Reisetagebuch — Jugend-Edition
Bis uns die Heimfahrt scheidet
Heute
heißt es Abschied nehmen. Ob früh aus den Betten gefallen oder die Nacht durchgemacht – im Halbschlaf wird aufgeräumt, die Waschbecken geleert und die Kulturbeutel aufgefüllt. Nach unserem letzten Frühstück in Assisi marschieren wir mit Gepäck und dem restlichen Gebäck den am Montag erklommenen Berg mit schweren Herzen (und Taschen) wieder hinunter, während die Bewohner der Stadt ein letztes Mal versuchen, unsere Abreise zu beschleunigen. Am Treffpunkt angelangt, werden unsere Taschen und wir sowie unsere Reisegefährten im Bus verstaut, und es heißt nun endgültig Abschied nehmen.
Als die Fahrt beginnt und wir uns ein letztes Mal durch Umbriens Berge bewegen, zeigt sich der bei spätabendlichen Kartenspielen und Tagebucheinträgen gesammelte Schlafmangel rasch, weshalb uns schon nach wenigen Minuten die Augen zufallen. Die Trägheit hält jedoch nicht lange an, da nach wenigen Stunden die erste Harmonie- und Essenspause den Kreislauf wieder in Schwung bringt. Mit Wienern und „Osterdöner“ oder auch „Lammpieß zwischen Fladen“ – wie Stefan die vegetarische Alternative nennt – werden die Bäuche gefüllt.

Auf der Weiterfahrt durch Italiens Landschaften in Richtung Alpen bleibt die Begeisterung für die Umgebung groß. „In Italien sieht es voll so aus wie in Italien und in Deutschland irgendwie mehr so wie in Deutschland“, bemerkt Annika begeistert, als wir die Alpen erreichen.
Auf der Weiterfahrt durch das Bergmeer werden wir ein letztes Mal zu Schriftstellern und beteiligen uns am Pfarranzeiger, während Valentin ein weiteres Mal verzweifelt und vergeblich nach netten Schwedinnen sucht. Sie kennen jemanden? Melden Sie sich bitte bei uns!
Wieder zu Hause
Erstaunlich viele Teilnehmende der Gemeindefahrt 2026 nach Assisi waren am Sonntagmorgen in der Pfarrmesse in St. Jakob.
Kristina Roth und P. Steffen Brühl ließen die Zu-Hause-Gebliebenen an den Highlights der Pilgerfahrt teilhaben. Sie erzählten vom wunderschön-sonnigen Wetter, von der fantastischen Gemeinschaft, dem spirituellen Bogen der Tage, natürlich von den beiden Heiligen, auf deren Spuren sich die Gruppe gemacht hat – Franziskus und Klara – und noch einiges mehr.
Kristina Roth rundete den Bericht mit dem Schlager der Fahrt ab, den sie anfangs für, dann mit der Gemeinde sang: „Fra Francesco- Mit Franziskus auf den Spuren Jesu geh’n“ von Robert Haas.

— Reise-Bilder-Tagebuch
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