Musik, Wort und Licht im Gleichklang in St. Jakob

„Interstellar“ bewegt Publikum zutiefst

Wie klingt Unendlichkeit in einer Kirche? 426 Besucherinnen und Besucher sind dieser Frage am Freitag, 27. März 2026, in St. Jakob nachgegangen – mit der „Interstellar-Suite“ des Filmkomponisten Hans Zimmer, Orgelklang, Lichtinstallation und bewusst eingesetzten künstlichen Stimmen.

Orgelklang zwischen Weite und Schärfe

An der großen Metzler-Orgel interpretierte Monika Trinkl-Peters zentrale Stücke aus der Filmmusik, die ursprünglich für den Science-Fiction-Film Interstellarkomponiert wurde. Die Orgel verlieh der Musik eine eigene klangliche Dimension: Neben den getragenen, weit ausgreifenden Linien, die sich in den Raum hinein entfalteten, standen immer wieder sehr hohe, fast kristallin wirkende Töne, die wie feine Lichtpunkte aufblitzten. Gerade in diesem Kontrast entstand eine besondere Spannung – zwischen Weite und Verdichtung, zwischen Ruhe und klanglicher Schärfe.

Dabei zeigte sich die große Bandbreite des Instruments: von nahezu schwebenden, transparenten Klangflächen bis hin zu kraftvollen, den Raum füllenden Akkorden. Die Register wurden differenziert eingesetzt, ohne je auf bloßen Effekt zu zielen. Es ging nicht um Lautstärke oder Wucht, sondern um Klang, der sich entwickelt und trägt.

Monika Trinkl-Peters hielt diese Spannungen sicher zusammen. Ihr Spiel blieb auch in komplexen Passagen klar, die Linien nachvollziehbar, die Übergänge ruhig gebaut. Sie ließ der Musik Zeit, ohne sie auseinanderfallen zu lassen. So wurde die Orgel zum eigentlichen Träger des Abends.

Wort aus der Distanz – und doch nah

Zwischen den einzelnen Stücken wurden meditative „Zwischenrufe“ von Pater Steffen Brühl eingespielt, die die musikalischen Motive aufgriffen und weiterführten. Die Texte wurden dabei nicht live gesprochen, sondern bewusst mit künstlich erzeugten Stimmen gestaltet. Diese Stimmen wirkten ruhig, warm und zugleich leicht entrückt – fast wie aus einer anderen Sphäre. Gerade daraus entstand eine eigene Spannung: zutiefst menschliche Fragen nach Zeit, Beziehung, Endlichkeit und Liebe, vorgetragen von nicht-menschlichen Stimmen. Der Kontrast schärfte die Wahrnehmung, ohne Distanz zu erzeugen. Vielen im Publikum fiel dabei zunächst gar nicht auf, dass es sich um künstlich erzeugte Stimmen handelte.

Nicht jeder dürfte sich in dieser Form sofort zurechtgefunden haben. Der Wechsel zwischen Musik, Stimme und Licht verlangte Aufmerksamkeit und ließ sich nicht nebenbei aufnehmen. Wer sich darauf einließ, wurde allerdings mit einer ungewöhnlichen Dichte belohnt.

Die Texte verstanden sich nicht als Erklärung der Musik, sondern als gedankliche Vertiefung. Sie gaben Anstöße, ohne festzulegen, und ließen Raum für eigene Bilder und Gedanken.

Ein Raum in Bewegung

Eine zentrale Rolle spielte die Lichtinstallation von Thomas Knappich, Steffen Döring und dem Klangwerk-Team. Farbige Bewegungen durchzogen den Kirchenraum, legten sich über Wände und Gewölbe und veränderten die Wahrnehmung der vertrauten Architektur. Besonders eindrücklich war die Deckenprojektion, die an einen stilisierten Sternenhimmel erinnerte und den Blick nach oben zog.

Wenn Raum zur Erfahrung wird

Das Zusammenspiel von Orgelklang, künstlich erzeugter Stimme und Licht wirkte nicht wie drei getrennte Ebenen, sondern wie ein zusammenhängender Ablauf. Musik, Bild und Wort griffen ineinander, ohne sich gegenseitig zu überdecken. Für einen Moment war die Kirche kein Raum mehr, sondern eine Erfahrung. Der Raum wurde durchlässig für das, was ihn übersteigt.

Über weite Strecken herrschte eine konzentrierte Stille im Kirchenraum. Das Publikum ließ sich auf die ungewöhnliche Dramaturgie ein, die bewusst zwischen Konzert und geistlichem Format blieb.

Auch in den Rückmeldungen nach dem Abend spiegelte sich diese Wirkung wider. Besucherinnen und Besucher sprachen von einer „besonderen Stunde“ und einem „Geschenk“. Eine Rückmeldung brachte es knapp auf den Punkt: „Das war einfach wunderbar.“ Andere hoben das Zusammenspiel hervor: Musik, Licht und Wort seien „im Gleichklang“ erlebbar gewesen.

Resonanz über Friedberg hinaus

Auffällig war zudem die überregionale Resonanz. Einzelne Gäste nahmen längere Anfahrten in Kauf – etwa aus dem Ries, aber auch aus Franken – und zeigten sich im Nachgang überzeugt, dass sich der Weg gelohnt habe.

Der lang anhaltende Applaus am Ende bestätigte diesen Eindruck. Die Veranstaltung zeigte, was möglich ist, wenn ein Kirchenraum nicht nur genutzt, sondern bewusst gestaltet wird. St. Jakob wurde an diesem Abend zu einem Ort, an dem sich Kunst und existenzielle Fragen begegneten. Ein Abend, der nachwirkt.