Mitschnitt der Ansprache von P. Brühl beim Empfang am Samstagabend

Mitschnitt der Predigt von P. Brühl beim Festgottesdienst am Sonntag

Friedberg verabschiedet Stadtpfarrer P. Steffen Brühl

„Ich habe hier Heimat gefunden“

Als am Ende des Festgottesdienstes die Gemeinde gemeinsam den aaronitische Segen über Pater Steffen Brühl spricht, erfüllte eine ganz besondere Atmosphäre die volle Stadtpfarrkirche St. Jakob. Viele wischten sich Tränen aus den Augen. Ende August nimmt der Pallottiner nach fast 20 Jahren Abschied von Friedberg – und selten hat der Weggang eines Pfarrers die Stadt so bewegt.

Schon am Vorabend war beim sommerlichen Empfang des Pfarrgemeinderats zu spüren, wie groß die Wertschätzung für den scheidenden Seelsorger ist. Vertreter aus Politik, Vereinen und den christlichen Gemeinden blickten auf Brühls fast zwei Jahrzehnte in Friedberg zurück, in denen er das kirchliche und gesellschaftliche Leben der Stadt nachhaltig mitgeprägt hat.

Die Herzen der Menschen erreicht

Friedbergs Erster Bürgermeister Roland Eichmann fand dafür klare Worte. „Du hast die Menschen nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen erreicht“, sagte er. Brühl habe immer gewusst, „was zu tun ist“, und Ideen nicht lange diskutiert, sondern umgesetzt.

Eichmann erinnerte an den Wiederaufbau der Pfarrjugend, an die Corona- und Ukrainehilfe, an das Bündnis für Demokratie, an dennoch der Begegnung „Divano“ und an die Modernisierung der Stadtbücherei St. Jakob. Immer wieder sei es Brühl gelungen, Menschen zusammenzubringen und für gemeinsame Projekte zu gewinnen.

Zugleich hob der Bürgermeister die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und Pfarrei hervor. Brühl habe sich weit über das kirchliche Leben hinaus eingebracht – für Kultur, für junge Menschen und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Friedberg.

Persönlich wurde es auch bei Walter Schaller, dem Vorsteher der Neuapostolischen Kirche. Er verglich Friedberg mit einem Haus, das Brühl in den vergangenen Jahren „mit seinem persönlichen Leben erfüllt“ habe. Seine Bitte an den scheidenden Pfarrer lautete: „Das, was du hier aufgebaut hast, lass es bitte da. Wir wollen es pflegen und weiterführen.“

Das Bild, das vielen in Erinnerung bleiben wird

Den stärksten Eindruck hinterließ schließlich Brühl selbst. Er erzählte, dass er in den vergangenen Wochen immer wieder ohne Termin, ohne Ziel durch die Friedberger Altstadt gegangen sei. Erst dabei sei ihm das Kopfsteinpflaster wirklich aufgefallen. Jeder Stein sei anders, individuell. Gemeinsam bildeten sie das Pflaster. „Ein schönes Bild für die Menschen und die Gemeinschaft“, fand der Stadtpfarrer.

„Eigentlich sind es gar nicht so sehr die Steine, die dieses Pflaster zusammenhalten. Es sind die Fugen.“ Aus diesem scheinbar unscheinbaren Bild entwickelte Brühl, der immer wieder als begnadeter Prediger gelobt wurde, den Gedanken, der sich wie ein roter Faden durch seine Abschiedsrede zog. Ohne die Fugen könnten die einzelnen Steine nur schwer zusammenbleiben. Das, was im übertragenen Sinn in der Stadt die Fugen bildeten, das sei das, was zwischen den Menschen wachse: Vertrauen, Freundschaft, Respekt und die Bereitschaft, Verantwortung füreinander zu übernehmen. „Kirche hat da ihre Aufgabe, wo sie hilft, gute Fugen zu schaffen, wo Menschen einander begegnen können und Vertrauen wächst“, sagte Brühl.

Besonders bewegte die Zuhörer eine kleine Begebenheit aus seinem Alltag. Einmal sei er zu Fuß vom Pfarrhaus zum Kinderheim unterwegs gewesen – ein Weg von kaum zehn Minuten. Weil ihn unterwegs immer wieder Menschen ansprachen, habe er fast eine Stunde gebraucht. „Das war Friedberg. Und vielleicht war das sogar Seelsorge in ihrer schönsten Form.“

Christus bleibt

Auch im Patroziniumsgottesdienst am Sonntag stand für Brühl nicht der Abschied im Mittelpunkt. Ausgehend vom Evangelium über den heiligen Jakobus sprach er über das Dienen als eigentliche Größe eines Christen. Zudem griff er ein Wort des Apostels Paulus aus der Lesung auf, Christen trügen „einen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen“.

„Wir Priester sind nicht der Schatz. Eine Pfarrgemeinde ist nicht der Schatz. Ein Pfarrerswechsel verändert nicht den Schatz. Christus bleibt.“ Ein guter Pfarrer, so Brühl, binde die Menschen nicht an sich selbst, sondern an Christus. Gerade deshalb könne er mit Zuversicht gehen.

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Julian Schmidt griff diesen Gedanken am Ende des Gottesdienstes noch einmal auf. In seiner sehr persönlichen Ansprache zeichnete er Brühls Lebensweg nach – von den ersten Schritten bei den Pallottinern bis zu seinem fast 20-jährigen Wirken in Friedberg. Dabei verschwieg er auch die schwierigen Jahre mit Personalmangel, hoher Arbeitsbelastung und gesundheitlichen Herausforderungen nicht. „Ich hoffe, dass du dich in Zukunft trotzdem sehr gerne an Friedberg erinnern wirst“, sagte Schmidt. Zugleich dankte er Brühl dafür, dass er Kirche weit über ihre eigenen Grenzen hinaus in die Stadtgesellschaft geöffnet und das Gesicht der Pfarrei nachhaltig geprägt habe.

Jakobsbecher und Pilgerstab

Zum Abschluss des Gottesdienstes zeichnete der Pfarrgemeinderat Pater Steffen Brühl mit dem Jakobsbecher aus, der höchsten Ehrung der Pfarrei. Als Symbol für seinen weiteren Lebensweg erhielt er außerdem einen von Uschi Stockhammer kunstvoll gestalteten Pilgerstab.

Zum Schluss fand Brühl nur wenige Worte. Mehr brauchte es auch nicht. „Ich habe hier nicht nur gearbeitet. Ich habe in Friedberg Heimat gefunden.“